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Ford Transit als Basis für Kastenwagenwohnmobile

Das Jahr 2022 hat vieles verändert auf dem Markt für Wohnmobile. Ford hat die Gunst der Stunde genutzt und prescht mit seinem Transit bei den Kastenwagenwohnmobilen voran. Doch ist der Transit als Basis für Wohnmobile auch gut? Wir zeigen dir, was das Fahrzeug kann … und welche Schwächen es gibt.

Ford: Der Traditionshersteller für Wohnmobile

Willkommen beim wohl ältesten Wohnmobil der Welt! Nein, der moderne Transit ist damit nicht gemeint. Wir spielen lediglich auf die Tatsache an, dass Ford tatsächlich wohl mit das erste Wohnmobil der Welt gebaut hat. Damals gab es eine Variante des legendären Ford-T-Modells mit Wohnmobilaufbau. Stilecht aus Holz und mit viel Messing. Sogar ein Briefkasten wurde damals, also im Jahr 1914, eingebaut. Das Ledersofa war schwenkbar und damit einerseits Fahrersitz als auch Loungeecke.

Foto des Ford T, der bei Bonhams zur Versteigerung stand

Auf vieles muss man heute wohl oder übel verzichten, wenn man sich einen Ford Transit Kastenwagen als Wohnmobilbasis zulegen möchte. Plastik statt Messing und über einen Briefkasten verfügen heutige Wohnmobile auch nicht mehr. Doch das wird es wohl kaum sein, warum der Ford Transit auf dem Wohnmobilmarkt über die letzten Jahre so gut wie verschwunden war.

Transit wieder auf dem Vormarsch

Ford Transit Außenansicht

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Noch in den 90er und anfangs der 2000er-Jahre war der Transit sehr häufig als Wohnmobil unterwegs. Ein unglücklich terminierter Modellwechsel und die damals neu aufgefrischte Konkurrenz aus dem Hause Fiat, mit ihrem Ducato, ließen viele Wohnmobilhersteller umschwenken. Fiat (und seine zweieiigen Zwillinge Peugeot und Citroën mit ihrem Boxer und Jumper) machten das Rennen.

Jetzt wendet sich das Blatt und der Transit kommt plötzlich wieder ganz steil aus der Kurve. Dabei profitiert Ford von der Schwäche des jüngst neu aufgelegten Fiat Ducato 8. Dort führen die zahlreichen neuen Features zu massiven Lieferproblemen. Grund genug für viele Anbieter von Wohnmobilen, statt den Ducato lieber den Transit zu ordern. Ist der Transit damit vielleicht nur das geringere Übel, aber ansonsten gar nicht für Wohnmobile geeignet?

Wo kommt der Transit eigentlich her?

Ford? Das ist doch ein amerikanischer Hersteller, oder? Der Transit wird jedoch nicht in den USA hergestellt. Auch nicht in Großbritannien oder Deutschland, wo die Firma große Werke betreibt. Tatsächlich kommen die Transit-Fahrzeuge von Ford Otosan aus der Türkei. Und das schon traditionell. Der Exportchampion der türkischen Automobilindustrie existiert seit 1959 und ist mit einer Produktionskapazität von knapp 500.000 Fahrzeugen, 70.000 Motoren und 140.000 Antriebssträngen Europas größtes Produktionszentrum für Nutzfahrzeuge.

Was den Transit ausmacht und welche Varianten es gibt

Das geringere Übel ist er sicher nicht. Der Transit war und ist eine gute Basis für ein Wohnmobil. Sparsame Motoren, robuste Technik, moderne Ausstattung, gemütliche Atmosphäre im Cockpit – hier ist also alles gut. Und doch gibt es einen Wermutstropfen.

Der aktuelle Transit ist nämlich gar nicht so „neu“, wie die Konkurrenten aus dem Hause Fiat, Volkswagen oder Mercedes-Benz. Die aktuelle Modellreihe des Transits läuft immerhin schon seit 2014 vom Band. Ein letztes Facelift gab es im Jahr 2019. Damit ist der Transit nicht neu, gehört aber sicher nicht zum alten Eisen – und was bei einem Modellwechsel alles schiefgehen kann, sieht man ja bei Fiat.

Doch welche Bandbreite bietet der Transit als Basis für ein Wohnmobil? Welche Längen, Höhen und Breiten, welche Nutzlast und Motoren gibt es. Hier ein kleiner Überblick.

Wie lang ist der Transit?

Den Kastenwagen gibt es in drei Längen, als 5,50-Meter-Version, als 6-Meter-Variante und als 6,70-Meter-Verlängerung. Getragen werden die Fahrzeuge jeweils von zwei verschiedenen Chassis – einmal mit einem Radstand von 3,30 Metern zwischen Vorder- und Hinterachse, das andere Mal mit einem Radstand von 3,75 Metern. Letztere Variante ist bei Wohnmobilkastenwagen sicher die übliche. Viele werden wahrscheinlich eine Fahrzeuglänge von 6 Metern oder mehr bevorzugen.

Länge (in mm) Fahrzeugbreite (in mm) ohne Außenspiegel Innenhöhe (in mm) Motoren
5531 2059 1886 (H2) EcoBlue mit 130, 170 oder 185 PS
5981 2126 2125 (H3)
6704

EcoBlue Dieselmotor

Wie hoch ist der Transit?

Die Breite und Höhe ist bei fast allen Varianten gleich. Zwischen linker und rechter Wand bietet der Transit gut 2 Meter Platz. Lediglich die Schwerlastvariante in der Langversion verfügt über eine Doppelbereifung auf der Hinterachse. Hier beträgt die Fahrzeugbreite (ohne Spiegel) 2,12 Meter. Die Höhe variiert zwischen 2,4 Metern und knapp 2,8 Metern – je nachdem, ob die Dachvariante H2 oder H3 geordert wird. Unterschiede bei der Innenhöhe gibt es auch, je nach Antriebsart. Ford „versteckt“ den Antrieb im Fahrzeugboden, was Auswirkungen auf die Position des Holzbodens im Innenraum und damit auf die Stehhöhe hat.

Wie schwer ist der Transit?

Das zulässige Gesamtgewicht startet in der kleinsten Version bei knapp 3.000 Kilogramm, erstreckt sich über die obligatorische 3.500-kg-Marke bis hin zur 5.000-kg-Version in der Schwerlastvariante. Auch hier wird es wohl nur wenige Wohnmobile geben, die als Light-Variante mit lediglich 3 Tonnen Gesamtgewicht auskommen müssen. Da mag die 5-Tonnen-Version wohl schon eher den einen oder anderen interessieren, wenn es darum geht, den Transit als Expeditionsfahrzeug auszubauen.

Verschiedene Antriebsarten beim Transit

Apropos Expedition – der Transit bietet dankenswerterweise alle drei Antriebsvarianten an. Es gibt ihn als Fronttriebler, mit Heckantrieb, aber auch in der Allradversion. Hier bleiben also keine Wünsche offen. Auch die Motorenpalette deckt das übliche Spektrum ab. Aus ein und demselben Motor mit zwei Litern Hubraum werden entweder 130, 170 oder 185 PS generiert. Alle Varianten sind mit 6-Gang-Automatik erhältlich. Der EcoBlue-Motor erfüllt selbstverständlich die gültigen Abgaswerte (6D temp).

Innen- und Sonderausstattungen beim Ford Transit

Kommen wir zu den „inneren“ Werten, also dem, was sich dem Fahrer und Beifahrer im Cockpit bietet. Muss man in den Basisversionen (Trend und Limited) noch auf ein paar Extras verzichten, gibt es den Transit auch mit Navigationssystem auf einem 8-Zoll Multifunktionsdisplay, inklusive einer Freisprecheinrichtung und USB-Anschluss. Seit dem Facelift im Jahr 2019 kann man den Transit auch mit Querverkehr-Warner, Außenkameras und Totwinkel-Assistenten ausstatten. Xenon-Scheinwerfer sowie eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage runden das Angebot nach außen hin ab.

Fahrerhaus im Ford Transit

Vorteilhafte Modellpolitik – aktuelles Modell ist schon seit 2014 am Markt

Trotz seines „Alters“ (immerhin ist das Modell also nun schon seit sechs Jahren nahezu im gleichen ”Look and Feel” unterwegs) bietet der Transit eine hohe Flexibilität. Er kann von den Wohnmobilherstellern in allen denkbaren Kombinationen und Varianten geordert werden und ist damit die ideale Basis für Kastenwagenwohnmobile. Es waren wohl lediglich der Preis und die eingelaufenen Wege zum Fiat Ducato, der viele Hersteller diesem Modell die Treue halten ließ.

Doch das hat sich jetzt aufgrund der Lieferengpässe geändert. Der Transit ist damit in gewisser Art und Weise ein Krisengewinnler. Oder besser: er war schon immer eine gute Basis als Kastenwagenwohnmobil und kommt nun endlich zu der Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Und wenn so große Abnehmer, wie die Hymer-Gruppe, auf den Transit umschwenken, dann wird dieser sicher in den nächsten Jahren wieder das, was er früher einmal war: der Standardsetter bei den Wohnmobilen.

Fazit

Der Transit – also der „Übergangsreisende“ – war in den letzten Jahren weitestgehend von der Bildfläche verschwunden. Der leichte Preisvorteil anderer Wohnmobilmodelle ließ die Hersteller scharenweise umschwenken. Doch aktuell hat er sein Revival, der Transit und wird zahlreich bestellt. Für diejenigen, die sich jetzt ein Wohnmobil auf Transitbasis bestellen, bedeutet das nichts Schlechtes. Der Wagen ist variantenreich und bietet genug Möglichkeiten für individuelle Anpassungen. Dass er robust und sparsam ist, versteht sich von selbst. Schließlich schlägt ein echtes Arbeiterherz in ihm. Letzten Endes sieht er auch noch gut aus. Passt also alles. Für viele kann aus dem "Übergangsreisenden" also eine Dauerlösung werden.

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