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Kastenwagen auf Peugeot-Basis: Ist der Boxer ein gutes Basisfahrzeug?

Kastenwagen als Basis für Wohnmobile sind zurzeit äußerst beliebt. Aber auch bei Teilintegrierten, Vollintegrierten oder Alkoven-Fahrzeugen leisten immer wieder die gleichen Zugpferde ihren Dienst: sei es der Fiat Ducato, der Citroën Jumper und eben auch der Peugeot Boxer. Wir zeigen hier, was beim Peugeot als Wohnmobilbasis zu beachten ist, welche Varianten es gibt und ob der Boxer eine gute Basis für ein Kastenwagenwohnmobil ist.

Peugeot Boxer – welche Motorisierung ist gut?

Vorab: Der Peugeot Boxer ist grundsätzlich immer ausreichend motorisiert. Er wird jedoch mit drei Motorisierungen und Leistungsstärken angeboten.

Aktuell kommen zum Einsatz:
  • 2,2l BlueHDI 120
  • 2,2l BlueHDI 140
  • 2,2l BlueHDI 165

BlueHDI-Motor bei Citroen und Peugeot

Die Typenbezeichnung verrät, dass im Grunde alle Motoren relativ baugleich sind – zumindest was den Hubraum anbelangt. Die Unterschiede in den PS-Zahlen (zu erkennen an dem Zusatz 120, 140 oder 165) werden durch ein geändertes Motorenmanagement erzielt. Reine Softwareakrobatik also. Wer jetzt an problematisches Chiptuning denkt, sollte sich entspannen. Es ist nicht bekannt, dass die Motoren mit einer höheren Verdichtung und mehr PS deswegen eine geringere Lebensdauer haben. Alle vom Hersteller aus „getunten“ Modelle sind seriöse Angebote, die das halten, was sie versprechen, nämlich: Leistung und Ausdauer.

Wofür steht BlueHDI?

Der Zusatz „BlueHDI“ ist der Hinweis, dass alle Modelle unverzichtbar mit AdBlue ausgerüstet sind. Eine notwendige Maßnahme, um die strengen Vorgaben der „6D-Final“ Emissionsrichtlinie zu erfüllen. Alle Motorvarianten eines aktuellen Peugeot Boxer erfüllen die modernsten und strengsten Abgasrichtlinien.

Info zum Abgasskandal:

Der Peugeot Boxer war (ebenso wie sein baugleiches Motoren-Pendant Citroën Jumper) nicht vom Abgasskandal betroffen. Ganz im Gegensatz zum Fiat. Der Hersteller verbaut in seinem Modell „Ducato“ eigene Motoren. Diese unterscheiden sich zwar kaum von ihrem Leistungsspektrum her, waren jedoch in der Vergangenheit mit einer illegalen Abschaltvorrichtung ausgerüstet.

Eine negative Nachwirkung aus der Zeit der Abgasskandale teilen jedoch alle Motoren, egal von welchem Hersteller: Das notwendige AdBlue wird zum Erreichen der Abgaswerte reichhaltig zugeführt. Entsprechende hohe Verbräuche sind einzukalkulieren.

Verbrauch und Fahrgefühl

Peugeot Boxer

Im Gegensatz zum überdurchschnittlichen AdBlue-Verbrauch hält sich dahingegen der Durst beim Diesel durchaus in Grenzen. Das gilt ebenfalls für alle drei Motoren. Selbst in der leistungsärmsten 120-PS-Variante bietet der kernige Dieselmotor des Peugeot damit immer noch genug Kapazitäten, um ein modernes Wohnmobil durch den Alltag zu manövrieren. Wer jedoch sportliche Höchstleistungen verlangt, wird sich ohnehin in Richtung der 165 PS orientieren wollen. Doch ob das die Wohnmobilhersteller auch so sehen und ihren Angeboten ein paar mehr PS mit auf den Weg geben, sollte man prüfen. Ein Blick in das Leistungsblatt des Angebots zeigt, mit welchem Motor das neue Lieblingswohnmobil ausgestattet sein wird.

Ein stark belastetes (weil schweres) vollintegriertes oder Alkoven-Wohnmobil mit einem 120-PS-Motor sollte gut überlegt sein. Wer sich als Spritsparmeister ohnehin gerne im Windschatten von Lkws oder Bussen aufhält, für den ist diese Variante vielleicht denkbar. Was jedoch von außen betrachtet als „gemütliches dahinzuckeln“ abgenommen werden könnte, ist für einen solchen Motor eine stete Herausforderung. Solche Wohnmobilkonstellationen durch den Alltag zu bewegen, erfordert regelmäßig bis häufig das Durchdrücken des Gaspedals bis zum Bodenblech und häufiges Schalten.Die 140er bzw. 165er PS-Version versprechen dahingegen zwar keine völlig anderen Welten, sind aber dennoch schon um einiges agiler und leistungsbereiter. 45 PS mehr oder weniger machen eine Menge aus, wenn man auf einer französischen Landstraße einen Trecker überholen oder auf der Autobahn die ewig lange Schlange von Lkws zügig passieren möchte.

Länge mal Breite – welche Größenvarianten bietet Peugeot bei Kastenwagen?

Während die Auswahl an individuell aufgebauten Wohnmobilen mit Softcase hinter der Fahrzelle natürlich nahezu unendlich ist, bieten sich bei einem Kastenwagenmodell nur streng limitierte Möglichkeiten. Das gilt auch für den Peugeot Boxer.

Hier gibt es von Haus aus vier Längenvarianten:
  1. Länge 4,90 Meter
  2. Länge 5,40 Meter
  3. Länge 6 Meter
  4. Länge 6,40 Meter

Längen- und Höhenvarianten beim Peugeot Boxer

Die gängigsten Größen für Kastenwagen-Wohnmobile sind die mit 5,40 Metern, 6 Metern und 6,40 Metern. Die 5-Meter-Version wird so gut wie gar nicht als Wohnmobil angeboten. Bei den anderen drei Modellen werden unterschiedliche Radstände eingesetzt.

Auswirkungen des Radstands

Während die 540er-Version zwischen Vorder- und Hinterachse einen Platz von rund 3,40 Metern hat, sind es bei den 6-Metern, bzw. 640er Modell immerhin gut 4 Meter. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Fahreigenschaften, sondern bietet auch mehr Platz im Innenraum.

Die Radkästen der Hinterachse ragen naturgemäß in das Innere des Fahrzeugs und nehmen dort ein wenig vom Platz in Anspruch. Daher sind Wohnmobilausbauten so konfiguriert, dass diese Einbuchtungen unterhalb des Bettes, bzw. im Laderaum sind. Das führt dazu, dass der Platz für die Dinette (also die Essecke) und das Bad in den 540er Modellen kleiner sind.

Schlafbereich im Peugeot

Heckbett im Kastenwagen

Ebenso wichtig: Die Fahrzeuge mit einer Außenlänge von 6,40 Metern werden in der Regel als sogenannte „Längsschläfer“ angeboten. Das heißt, dass die Betten so ausgerichtet sind, dass man entlang der Fahrzeuglänge schlafen kann. Ein großer Platzgewinn. Eine solche Liegefläche ist dann 2 Meter breit und fast ebenso lang. Beim sogenannten „Querschläfer“ ist in der kürzeren Version die Breite des Bettes dann durch das Bad oder die Küchenzeile limitiert. Sie wird (aufgrund der geringeren Länge des Fahrzeugs) damit weitaus knapper bemessen sein. Wer sich dann im heißen Süden zu zweit ein Bett mit einer Breite von 140 Zentimetern teilen muss, wird die „heat of the night“ vielleicht doch nicht als so angenehm empfinden.

Light oder Heavy? – Wieviel Sicherheit darf’s denn sein?

Der Peugeot Boxer wird über alle Fahrzeuglängen hinweg mit zwei verschiedenen Fahrwerken angeboten. Das eine nennt sich „Light“ und darf in der Basisvariante mit bis zu 3300 Kilogramm belastet werden. Das „Heavy“-Fahrwerk bietet ein wenig mehr Kapazitäten nach oben und kommt auf ein zulässiges Gesamtgewicht des Fahrzeugs von standardmäßigen 3500 Kilogramm. Je nach Ausbauvariante stellt sich meist gar nicht die Frage, welches Fahrwerk das richtige wäre. Denn Wohnmobile haben schon in der Grundausstattung ein hohes Eigengewicht und brauchen bestenfalls immer ein wenig Puffer, damit der Urlauber noch einiges an Equipment mitnehmen kann.

Ist eine Auflastung sinnvoll?

Gelegentlich machen es sich jedoch die Wohnmobilhersteller einfach und „lasten“ das Light-Fahrwerk auf. Mit einem simplen Eintrag in die Fahrzeugpapiere erhalten diese Fahrzeuge dann die offizielle Erlaubnis, ebenfalls bis 3500 Kilogramm transportieren zu dürfen. Was rechtlich möglich ist, sollte dennoch gut überlegt sein. Das Heavy-Fahrwerk verfügt über andere Stoßdämpfer und Bremsen. Diese sind dafür ausgelegt, 3,5 Tonnen (oder sogar mehr) zu verkraften. Beim Light-Fahrwerk ändert sich mit dem Eintrag in die Fahrzeugpapiere technisch nichts.

Natürlich ist man damit nicht nur rechtlich auf der sicheren Seite, sondern auch technisch immer noch recht gut ausgerüstet. Physik lässt sich jedoch nicht austricksen. Die Unterschiede manifestieren sich bei Spitzenbelastungen. Wenn also ein Wohnmobil eben nicht nur durch die norddeutsche Tiefebene fährt, sondern eine holprige Passstraße in den Alpen passieren muss, wird man die Fahrstabilität und die Bremskraft vermissen. Daher Vorsicht bei günstigen Paketangeboten: Hersteller sparen gerne bei diesen versteckten Features. Schließlich bekommt sie ein normaler Wohnmobilist nie zu Gesicht und wird den Unterschied in der Regel auch nicht im Fahralltag spüren.

Wie individuell ist der Peugeot Boxer?

Peugeot Boxer Fahrerhaus

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich der Peugeot Boxer nur in Details vom Fiat Ducato und so gut wie gar nicht vom Citroën Jumper unterscheidet. Alle Modelle kommen aus demselben Werk und sind das Ergebnis einer langfristigen und seit nun schon Jahrzehnte andauernden Konzernpolitik, die den gemeinsamen Einkauf von Vorprodukten und Ausstattungen fast schon zur Kunst erhoben haben. Kurzum: Der Peugeot Boxer ist nichts für Individualisten, die das Besondere suchen. Für alle Pragmatiker ist er jedoch ein gefälliges, praktisches und vielfach erprobtes Lasttier. Es wird seinen Dienst anspruchslos und zuverlässig versehen – und das über Jahre und viele, viele Kilometer hinweg.

Und dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Modellen, die über den Wechsel des Markenlogos auf dem Frontgrill und dem Lenkrad hinausgehen. Die Hersteller bieten unterschiedliche Paketvarianten an. Somit ergeben sich Unterschiede in der Ausstattung. Was beim Ducato oder Jumper noch nicht inklusive ist, wird vielleicht beim Boxer schon mitgeliefert. Ebenso unterscheiden sich die Modellzyklen – vor allem zwischen einem Ducato und dem Boxer/Jumper. Während der eine schon mit einem moderneren Look & Feel daherkommt, bieten die anderen vielleicht noch die preisgünstigere Cockpitvariante aus dem vergangenen Jahr an. Das kann von Vorteil sein, schließlich ist die Vorgängervariante ebenfalls noch modern und um einige Euro billiger. Auch hier lohnt also der detaillierte Blick in die Ausstattungsliste und das Kleingedruckte.

Preis: Wie teuer ist der Boxer?

Den Peugeot Boxer als Kastenwagen gibt es aktuell ab 30.880 Euro (Stand 08/2022). Das betrifft allerdings natürlich die kürzeste und niedrigste Variante (L1H1). Bei L2H2 sind es schon 33.580 Euro neu. Dementsprechend kommen bei einem Ausbau als Wohnmobil noch einmal geschätzt mindestens 8.000 bis 10.000 Euro dazu – je nach Ausbau- und Aufbauvariante gibt es natürlich nach oben kaum Grenzen.

Fazit – ein klares „Empfehlenswert“ für den Peugeot Boxer

Auch wenn der Peugeot Boxer in puncto Individualität sicher nicht besonders heraussticht, ist er dennoch ein Fahrzeug, welches man sich aktiv suchen und kaufen sollte. Masse ist eben doch Klasse – vor allem, wenn es sich um vielfach bewährte Technik handelt. Und wenn doch einmal etwas kaputtgehen sollte, ist der nächste Peugeot-Händler, bzw. die nächste Vertragswerkstatt nicht weit. Das ist ebenfalls ein erheblicher Pluspunkt im Vergleich zu hochindividuellen, besonderen Fahrzeugen. Einen Überblick über Peugeot-Händler gibt es hier: Peugeot-Händlerübersicht.

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